10.02.2026

BWB setzt auf Fernwärme aus der Region

Die BWB Oberflächentechnik in Oberdorf NW ist seit Anfang Jahr an den Wärmeverbund ihrer Nachbargemeinde angeschlossen. Nach mehreren Monaten intensiver Analyse, technischer Planung und infrastrukturellem Umbau speist die Heizungsanlage nun Fernwärme aus dem bestehenden Dallenwiler Uerte-Netz in den regulären Betrieb ein.

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Ansprechperson Beitrag

Marc Bucher

Leiter Unterhalt

marc.bucher@bwb-group.com

Die Holzschnitzelheizung läuft seit Anfang Januar mit nahezu doppelter Auslastung. Neben den bereits angeschlossenen Wohn- und Industriegebäuden bezieht nun auch die BWB nachhaltige Wärmeenergie aus regionalem Nidwaldner Holz. Die gewonnene Energie wird sowohl für die Gebäudeheizung als auch für die energieintensiven Produktionsprozesse genutzt, wodurch der Einsatz fossiler Brennstoffe weitgehend reduziert werden kann.

"Die Brennleistung der Holzschnitzelheizung ist ein entscheidender Faktor", erklärt René Niederberger, Projektleiter im Unterhaltsteam der BWB gleichzeitig Teil der Uertekorporation Dallenwil.

"Die Hochtemperaturbäder der BWB erfordern eine Vorlauftemperatur von mindestens 105 Grad. Der zulässige Temperaturbereich ist sehr eng, weshalb die exakte Abstimmung der Wärmebereitstellung eine zentrale technische Herausforderung darstellt," präzisiert René den Energiebedarf des Eloxalbetriebs.

Technische Highlights und Herausforderungen

Die Rücklaufwärme aus dem ersten Energietransfer wird effizient weiterverwendet. Sie versorgt zusätzliche Badanlagen und dient auf tieferem Temperaturniveau der Beheizung des gesamten Gebäudekomplexes. Überschüssige Wärme wird in einem Schichtspeicher an der Nordseite der BWB zwischengespeichert. Dort wird auch die Energie aus der Fotovoltaikanlage sowie die Abwärme der Druckluftsysteme in das Gesamtsystem integriert.

Ein wesentlicher Vorteil des Wärmeverbunds liegt in der zeitlich versetzten Energienutzung. Die Produktionsanlagen der BWB werden ab Mitternacht vorgeheizt, wodurch Lastspitzen gezielt genutzt und der Energiebedarf im Tagesverlauf kontinuierlich reduziert werden kann. Die unternehmenseigene Ölheizung bleibt weiterhin als redundantes Backup-System verfügbar und kann bei Bedarf sowohl für den internen Betrieb als auch für den gesamten Wärmeverbund eingesetzt werden.

Als Bindeglied zwischen beiden Organisationen begleitet René Niederberger das Projekt aus technischer und betrieblicher Perspektive: „Für die Uerte bedeutet die Erweiterung eine optimale Auslastung der Energieinfrastruktur. Die BWB erreicht durch die Einbindung in den Wärmeverbund einen weiteren wichtigen Meilenstein auf dem Weg zur schrittweisen Dekarbonisierung ihrer Produktionsprozesse.“

Interner Fachaustausch

BWB nutzt Fernwärme aus regionalem Holz für den Produktionsprozess

Verantwortliche für Unterhalt und Energiemanagement aller BWB-Standorte verschaffen sich ein Bild des Wärmeverbunds.

Verantwortliche aus Unterhalt und Energiemanagement der BWB-Standorte konnten sich beim Tag der offenen Tür ein Bild vom Wärmeverbund machen. René Niederberger führte durch die Anlagen, und der Austausch regte spannende Diskussionen zu Energieeffizienz und Dekarbonisierung an.

Fragen und Antworten an René Niederberger

BWB nutzt Fernwärme aus regionalem Holz für den Produktionsprozess

Nur wenige Grad Spielraum: Die präzise Abstimmung der Wärmeeinstellungen sichert einen reibungslosen Produktionsablauf.

Was ist "Dekarbonisierung"? Sind unsere Ziele nun erreicht?

René: Dekarbonisierung bedeutet für uns die schrittweise Reduktion von CO₂-Emissionen durch den Ersatz fossiler Energieträger in unseren Produktions- und Gebäudesystemen. Mit der Anbindung an den Wärmeverbund erreichen wir für den Betrieb der Eloxalanlage sowie für die Beheizung des Gebäudes im Normalfall einen vollständig fossilfreien Betrieb.

Unsere Ziele sind damit in diesem Bereich zu einem grossen Teil erreicht. In anderen Bereichen, insbesondere in der Logistik und bei vorgelagerten Prozessen, bestehen weiterhin Abhängigkeiten von fossilen Energieträgern. Die Dekarbonisierung ist für uns daher ein fortlaufender Prozess und noch nicht abgeschlossen.

Woher stammt das Holz für den Wärmeverbund?

René: Das Holz stammt aus den Nidwaldner Bann- und Schutzwäldern, die von den regionalen Korporationen gepflegt werden und unter anderem die rutschgefährdeten Hänge sichern. Das anfallende Holz wird an regionalen Sammelplätzen gelagert, vor Ort zu Holzschnitzeln verarbeitet und direkt an die Wärmeverbünde geliefert. So entstehen kurze Transportwege und mittels nachwachsenden Rohstoffs und ein geschlossener regionaler Energiekreislauf.

Wie funktioniert der Schichtspeicher bei der BWB und was ist dabei entscheidend?

René: Der Schichtspeicher dient als thermischer Energiespeicher, in dem Wärme auf unterschiedlichen Temperaturniveaus gezielt zwischengespeichert wird. Entscheidend ist dabei die stabile Temperaturschichtung: Heisses Wasser sammelt sich im oberen Bereich, kühleres Wasser verbleibt im unteren Bereich.

Die schlanke, vertikale Bauweise des Speichers unterstützt diese klare Trennung der Temperaturschichten. Gleichzeitig ist es wichtig, Strömungsverwirbelungen zu vermeiden, da diese die Schichtung zerstören und die nutzbare Energiequalität reduzieren würden.

Ein kontinuierlicher und gleichmässiger Energieeintrag – sowohl aus der Holzschnitzelheizung, der Fotovoltaikanlage als auch aus der Abwärme der Druckluftsysteme – sorgt dafür, dass die Temperaturzonen stabil bleiben und die Wärme bedarfsgerecht für die unterschiedlichen Verbraucher im System bereitgestellt werden kann.

Was war die grösste Herausforderung bei der Umsetzung?

René: Eine der Herausforderung lag in der vorgelagerten Bedarfsanalyse. Wir mussten unsere bestehenden betrieblichen Rahmenbedingungen kritisch hinterfragen und teilweise bewusst verändern.

Die Umstellung auf einen externen Wärmeverbund erfordert auf Angebots- wie auch auf Nachfrageseite technische Anpassungen, etwa bei der Regelungstechnik, den Temperaturfenstern und den Betriebs- und Anlaufzeiten. Gleichzeitig bedeutet sie einen Paradigmenwechsel: Weg von einer rein internen Energieversorgung hin zu einem vernetzten System, das auf Abstimmung, Flexibilität und gemeinsamer Optimierung basiert.

Und wie geht es weiter?

René: Im nächsten Schritt durchläuft das System erstmals einen vollständigen saisonalen Zyklus unter den neuen Rahmenbedingungen. Da die Holzschnitzelheizung mehr Vorlaufzeit benötigt als eine Ölheizung, liegt der Fokus auf der vorausschauenden Abstimmung zwischen Wärmeangebot und -bedarf.

Gerade in den Übergangszeiten zwischen Winter- und Sommerbetrieb werden die Regelung und die Temperaturbereiche weiter feinjustiert, um den Betrieb dauerhaft stabil und effizient zu gestalten.


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